Einfach mal abschalten

Genug vom Alltagsstress und den aktuellen Krisen? Immer mehr Brettspiele stillen mit Naturthemen die Sehnsucht nach Ruhe und Rückzug. Doch sie bieten auch spannende und knifflige Entscheidungen.

„Cascadia“: Beim „Spiel des Jahres 2022“ muss ein Biotop mit Tieren und Landschaften zusammengestellt werden. FOTO: KOSMOS/DPA-TMN

08.10.2022

Ob Wandern in Nordamerika, bedrohte Wälder retten oder Artenschutzprojekte aufbauen - bei Brettspielen trendet die Natur: Alle wichtigen Branchen-Auszeichnungen gingen 2022 an Spiele, die sich mit Flora, Fauna und dem Umwelt-Thema beschäftigen.

„Die Leute sind heute deutlich mehr an solchen Themen interessiert als noch vor fünf, sechs Jahren“, sagt Spiele-Autor Randy Flynn, der im Sommer mit „Cascadia“ den begehrten Preis „Spiel des Jahres“ gewann. Die Kritikerjury schwärmte: „ein wahres Wohlfühlspiel“.

Andere Preisträger schlagen in die gleiche Kerbe: Bei „Living Forest“, dem „Kennerspiel des Jahres“, geht es unter anderem darum, brennende Bäume zu löschen. Und der „Deutsche Spielepreis“ ging an „Arche Nova“ - hier muss ein Zoo mit Schwerpunkt Artenschutz aufgebaut werden. Und die Amerikanerin Elizabeth Hargrave bewies schon 2019 mit ihrem Spiel „Flügelschlag“, dass es thematisch nicht immer Fantasy, Mittelalter oder Science-Fiction sein muss.

Neun empfehlenswerte Spiele mit Natur- oder Umweltthema:

Für Landschaftsplaner: „Cascadia“

Beim „Spiel des Jahres 2022“ muss ein Biotop mit Tieren und Landschaften zusammengestellt werden. Die Idee zum Thema kam Autor Randy Flynn beim Wandern durch die gleichnamige Region an der Westküste Nordamerikas. Die Kritiker-Jury würdigte bei dem Legespiel vor allem die zweigeteilte Puzzleaufgabe mit den verschiedenen Landschaftsplättchen und Tierscheiben als „besonders gelungen“. Die Spielzüge mit Fuchs, Bär, Lachs und Co. sind immer belohnend.

Für Zocker: „Living Forest“

12 Bäume pflanzen, 12 Brände löschen oder 12 heilige Blumen sammeln - beim „Kennerspiel des Jahres“ gibt es mehrere Wege zum Sieg. Um den mystischen Wald zu beschützen, greifen mehrere Mechanismen elegant ineinander: Wettrennen, Plättchen legen, Aufdecken der Tierkarten. Aber Achtung, Zocker: Wer zu viel riskiert, darf nur eine statt zwei Aktionen ausführen. Wiederspielreiz ist garantiert.

Für echte Experten: „Arche Nova“

Es ist DER Titel des vergangenen Spielejahrgangs. Kaum ein Spiel wurde mehr gehypt. Aber Achtung: Es handelt sich um ein echtes Schwergewicht. Zwar sind die Regeln für ein Expertenspiel nicht zu kompliziert, doch strategisch verlangt es einiges ab. Es geht darum, im eigenen, wissenschaftlich geführten Zoo (Tier-)Attraktionen zu bieten UND viele Artenschutzprojekte zu unterstützen. Der clevere Kartenmechanismus überzeugt, aber unbedingt Zeit einplanen.

Für Hobby-Ornithologen: „Flügelschlag“

Ein Vogelhaus als Würfelturm, bunte Eier und toll illustrierte Vogelkarten: „Flügelschlag“ ist ein echter Hingucker. Spielerisch müssen Vögel in drei Lebensräumen angelockt werden, um so die drei Hauptaktionen (Futter sammeln, Eier legen, neue Vogelkarten bekommen) weiter zu verstärken. Die richtige Karten-Kombi kann starke Effekte auslösen. Wer in drei Runden wertvolle Vögel und Eier gesammelt sowie die Rundenziele und Bonuskarten am besten erfüllt hat, gewinnt.

Das Grundspiel enthält nur Vögel aus Nordamerika. Doch es gibt bereits eine Europa- und eine Ozeanien-Erweiterung.

Für Höhenflieger: „Baumkronen“

Im Duell wetteifern zwei Spielende um den schönsten Regenwald. Um die besten Pflanzen, Bäume und Tiere zu bekommen, kann gezockt werden. Entweder man gibt sich mit dem ersten Kartenstapel zufrieden, oder schaut unter den zweiten und dann den dritten, wo sich zu Beginn je eine Karte mehr befindet. Wem auch der Stapel nicht gefällt, muss blind eine Karte ziehen und einbauen. Gefahren wie Dürre oder Feuer müssen dabei nicht immer etwas Negatives bedeuten.

Für Evolutionsbiologen: „Darwin’s Choice“

Die Pfoten eines afrikanischen Wildhunds, der Schwanz eines Streifenskunks, der Panzer einer Galapagos-Riesenschildkröte - das alles mit dem Kopf eines Östlichen Weißbartgnus? In „Darwin’s Choice“ lassen sich wildeste Tier-Kombis zusammenfügen.

Diese hybriden Kreaturen müssen möglichst gut an ihre Umgebung angepasst sein, doch die Welt und damit die Bedingungen wandeln sich ständig. Tiere, die zu wenig Nahrung ergattern, überleben nicht. Das Spiel erfordert strategisches Denken.

Für Forscher: „Keystone: Nordamerika“

Auf einem 4x4-Tableau müssen nummerierte Tierplättchen möglichst in aufoder absteigender Folge gelegt werden. Wenn die Tiere zum gleichen Biotop gehören, entstehen Ökosysteme, für die es Punkte gibt. Hierbei verdoppeln Schlüsselarten die Wertung. Dazu gibt es für alle am Tisch geheime Ziele. Von den schönen Zeichnungen sollte man sich nicht zu sehr blenden lassen, denn bei der kniffligen Puzzle-Aufgabe muss allerlei beachtet werden.

Für Brettspiel-Politiker: „Kyoto“

Beim kartenbasierten Verhandlungsspiel wird auf satirische Weise die Weltklimakonferenz von Kyoto nachgespielt und dabei ordentlich diskutiert. Jeder vertritt eine große Nation (bzw. die EU) und möchte zur Rettung des Klimas beitragen, in dem auf besorgniserregende Studien mit CO2-Einsparungen reagiert wird. Doch auf wie viel eigenen Wohlstand verzichtet jeder dafür? Und wie werden bestimmte Lobbys (Kohle, Autos, etc.) zufrieden gestellt?

Der originelle Kniff: Sollten die Umweltschäden einen kritischen Wert erreichen und die Konferenz scheitern, gewinnt das Land mit den zweitmeisten Punkten. Denn die Vertreter des Staates mit den meisten Punkten haben die Zerstörung des Planeten zu sehr in Kauf genommen.

Für Wanderfreunde: „Parks“

Als Wanderer geht es in die Nationalparks der USA. Mithilfe von zwei Figuren werden in vier Jahreszeiten auf Wanderwegen Aktionen von Orten ausgelöst, Marker eingesammelt, Parks besucht und Ausrüstung gekauft.

Hingucker ist das Material: Aufwändige Illustrationen der Parks sorgen für Fernweh. Tierfiguren, Marker und Karten passen gut sortiert in die kompakte Schachtel. dpa-tmn