Auf mögliche Stromausfälle vorbereiten

Campingküche in der Wohnung: Bei einem Stromausfall muss man beim Kochen improvisieren. FOTO: KLOSE/DPA-TMN

Fällt der Strom länger aus, geht nichts mehr: kein fließendes Wasser, keine Toilettenspülung, kein Herd, kein Telefon und keine Internetverbindung. Hier sind Tipps, wie man sich gut vorbereitet.

12.11.2022

Eigentlich muss man sich keine Sorgen vor einem längeren Stromausfall machen. Denn Robert Schmitt, Präsident des Medizinischen Katastrophen-Hilfswerks Deutschland, ist überzeugt: „Hätten wir eine vorbereitete Bevölkerung, könnten wir ohne Probleme auch einen Stromausfall von einer Woche durchstehen."

Hier sind die Tipps zur Vorbereitung:

Trinkwasser: ,,Das Gute ist, auch bei einem Stromausfall kann es durchaus noch eine Weile eine Wasserversorgung gegeben. Wie lange, das hängt vom Grunddruck in Leitungssystem ab", sagt Boris Michalowski, Katastrophenschützer im Landesdienst Berlin des Arbeiter-Samariter-Bundes.

Sein Tipp: Wenn man den Stromausfall bemerkt, die Badewanne oder ein paar Eimer mit Wasser füllen. „Und es macht Sinn, ein paar Flaschen Trinkwasser auf Vorrat zu Hause zu haben."

Robert Schmitt vom Medizinisches Katastrophen-Hilfswerk Deutschland geht noch weiter: „Wir empfehlen, immer Vorräte für zehn Tage zu haben. Denn Trinkwasser ist das Wichtigste überhaupt." Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt 20 Liter Flüssigkeit pro Person für 10 Tage (Wasser, Saft und anderes) sollten vorrätig sein. Darunter fünf Liter Wasser zum Kochen.

Gesammeltes Regenwasser eignet sich vor allem als Brauchwasser. Zur Nutzung als Trinkwasser müsste man es erst aufbereiten - mindestens abkochen, filtern und mit Tabletten aus dem Outdoor-Bedarf behandeln.

Toilette spülen:

Das Brauchwasser dient auch zum Spülen der Toilette. Ist es aufgebraucht oder funktioniert diese händische Art der Spülung nicht (mehr), empfehlen beide Katastrophenhelfer, kleine Windel-, Hygiene- oder Hundekotbeutel zur Entsorgung. Sie unterbinden Gerüche.

Heizen:

Die meisten Heizungen brauchen Strom. Wer darauf verzichten muss, sollte mit warmer Kleidung und Decken in einen einzigen Raum gehen und die Türen geschlossen halten. So kann die Restwärme nicht so schnell entweichen. Katastrophenhelfer Schmitt rät,darin dann ein Zelt aufzustellen, Schlafsäcke und Decken reinzulegen. „Wenn sich die ganze Familie da reinkuschelt, wird es schnell warm."

Teelichtöfen, der Grill, eine Feuerschale und andere selbstgebaute Behelfs- oder Outdoorheizungen sind im Wohnraum lebensgefährlich. Das Schornsteinfegerhandwerk und die Feuerwehren warnen vor einer Anreicherung von Abgasen, fehlendem Sauerstoff und Kohlenmonoxidkonzentration es besteht also akute Vergiftungsgefahr.

Licht:

Für die Nächte sollte man batteriebetriebene Taschenlampen sowie Ersatzgeräte und -batterien zu Hause haben. Oder Camping- und Outdoorleuchten sowie Petroleumlaternen inklusive Brennstoff.

Eine Alternative sind Lampen und Taschenlampen mit integriertem Dynamo, deren Akkus auch per Handkurbel oder über ein Solarpanel geladen werden können. Michalowskis Tipp: Stirnlampen.

Nahrung:

Es lohnt sich, Nahrung im Haus zu haben, die auch kalt gegessen werden kann. Vor allem mit Babys und Kleinkindern im Haus. „Es ist ganz wichtig, dass Sie nicht in den Supermarkt müssen. Denn der hat bei einem langen Stromausfall nun mal nicht geöffnet", so Schmitt.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät zu einem Vorrat nach den individuellen Möglichkeiten - im besten Fall zehn Tage. Aber auch schon ein Vorrat für drei bis vier Tage sei in vielen Situationen ausreichend.

Essenszubereitung:

Zum Kochen warmer Speisen eignen sich Gaskocher. „Ich finde kleine Koffer-Gaskocher gut. Sie haben kleine Kartuschen und sie sind relativ standsicher", sagt Michalowski. ,,Wenn man eine gute Belüftung hat, kann man die auch durchaus mal in der Küche verwenden."

Auf keinen Fall sollte man aber einen Holzkohlegrill im Wohnraum anzünden. „Einerseits der wegen Brandgefahr, aber noch viel, viel wesentlicher ist die Gefahr einer Kohlenmonoxid-Vergiftung."

Informationen zum Stromausfall:

Wie man im Fall der Fälle reagieren sollte, ist auch eine Frage der Information.„Denn wenn der Strom weg ist, dann sind die normalen Kommunikationsmittel weg. Das Mobilfunknetz kann relativ schnell zusammenbrechen", so Boris Michalowski. Sein Rat lautet daher: Radio einschalten, darüber gibt es die NotfallInformationen.

Der klassische Tipp für Notfälle sind Radios, die über eine Handkurbel aufgeladen werden. Das kann aber ganz schön mühsam sein. Die Alternative mit Solarpanel braucht oft direkte Sonneneinstrahlung - das kann an trüben Wintertagen schwierig werden. Modelle mit Batteriebetrieb sind hier praktischer. „Und wenn Sie ein Auto haben, können Sie sich zum Radiohören aber ja auch mal kurz reinsetzen. Daher übrigens: Auto immer vollgetankt haben", so Schmitts Rat.

Boris Michalowski rät: Finden Sie heraus, wo die so genannten Katastrophenschutz-Leuchttürme des Wohnortes sind. „Dort bekommt man auch alle Informationen. Oder man findet Erste-Hilfe-Leistungen, wenn das nötig wird", so der Krisenexperte. Das kann etwa das örtliche Rathaus sein.

Medizinische Hilfe:

Wer etwa ein strombetriebenes Beatmungsgerät benötigt oder ohne einen Aufzug seine Wohnung im 5. Stock nicht verlassen kann, kann sich in einem neuen Notfallregister anmelden. Es gibt Feuerwehr und Rettungsdiensten die Möglichkeit, bedarfsgerechter zu helfen. Hilfsbedürftige oder deren Pfleger können sich online unter www.notfallregister.eu in diese Liste eintragen.

Darüber hinaus sollte man immer etwas Vorrat von den benötigten Medikamenten im Haushalt haben.

Mit Familie und Freunden absprechen:

,,Machen Sie Treffpunkte aus, gerade mit den Kindern. Etwa dass alle nach Hause kommen und man nicht anfängt, sich gegenseitig zu suchen", rät Schmitt. Oder wer das Auto hat, sammelt die anderen ein.

Auch sollte man nach Möglichkeit Vereinbarungen mit Freunden oder Verwandten in anderen Städten und Orten treffen und sich im Notfall gegenseitig Unterschlupf bieten. Denn vielleicht fließt der Strom schon einen Ort weiter problemlos. dpa