Sport-Reporter René Preuß: Eine ganz besondere Fußballromantik

Mann vom Fach mit königsblauen Blut: Sport-Reporter René Preuß FOTO: PREUSS.

Derbyzeit im Pott: Ein Gastkommentar von René Preuß, Sportredakteur Schalke 04 und Verfasser des Schalke-Newsletters (www.recklinghaeuser-zeitung.de/s04 )

11.03.2023

Königsblau gegen Schwarz-Gelb, S04 gegen BVB, Schalke gegen Dortmund ,,Herne-West" gegen ,,Lüdenscheid-Nord" oder einfach die Mutter aller Derbys" - am heutigen Samstag ist es wieder soweit. In der Bundesliga werden die beiden Ruhrpottvereine zum 100. Mal um Punkte kämpfen. Als langjähriger Fußballfan und Sport-Reporter darf ich sagen: Mehr ,,Fußballromantik" geht nicht!

Natürlich geht es um viel mehr als die puren Emotionen. Punkte sind für beide Mannschaften elementar wichtig. Die Dortmunder wollen nach dem Aus in der Champions League, nun in der Liga den Schwerpunkt auf die Meisterschaft legen. Und die Schalker, die kämpfen um den Klassenerhalt. Ein erneuter Abstieg in die 2. Fußball-Bundesliga wäre für den Gelsenkirchener Fußballclub nicht nur ein sportliches Fiasko. Wirtschaftlich pfeifen die Königsblauen eh schon aus dem letzten Loch, der Abstieg würde die Situation extrem verschärfen.

Borussia Dortmund ist der Top-Favorit

Im Interview: Ralf Fährmann (FC Schalke 04) spricht in Österreich mit René Preuß. FOTO: REHBEIN
Im Interview: Ralf Fährmann (FC Schalke 04) spricht in Österreich mit René Preuß. FOTO: REHBEIN

Die tabellarische Situation spricht also eine ganz klare Sprache. Borussia Dortmund ist Top-Favorit, Schalke der Underdog. Immerhin klingt das gar nicht so chancenlos. Ist es auch nicht! Der FC Schalke 04 war eigentlich am Ende der Hinrunde so gut wie totgesagt. Schalke steht mit neun Punkten am Ende der Tabelle und war so gut wie tot. Aber man kennt ja dieses Sprichwort, oder?! Totgesagte leben länger und mit Start der Rückrunde, zeigte der S04 ein ganz anderes Gesicht.

Felix Magath gab ,,brav" Infos

Als Schalke-Reporter begleite ich die Mannschaft seit 2009. Alles fing mit dem Ende von Fred Rutten an. Mein erster richtiger Trainer war Felix Magath, ein wirklich netter Mann. Das meine ich keinesfalls ironisch. Magath hat mich als jungen" Reporter immer höflich zur Seite genommen und mir brav die Infos gegeben, die ich augenscheinlich brauchte, um ein gutes Video liefern zu können. Da hatten andere Kollegen durchaus einen schwereren Stand. Aber zurück zum Derby. Mein erstes berufliches Derby war am 26. September 2009 in Dortmund. Auf der S04-Bank Felix Magath, auf der BVB-Bank Jürgen Klopp.

Zwei Schwergewichte im Kampf um Prestige und Anerkennung und ja, auch Punkte. Ich mache es kurz: Jefferson Farfán erzielte das verdiente 1:0 und ich war aus beruflicher Sicht gleich Derbysieger. Auch im nächsten Derby siegte Königsblau. Könnte man alles so stehen lassen, aber ich möchte ja meinen journalistischen Ansprüchen gerecht bleiben und möchte zugeben, so oft durfte ich nicht mehr feiern. In den 23 weiteren Bundesligapartien, ging der S04 nur fünf Mal als Sieger vom Platz. Es gab natürlich auch einige Unentschieden und eins davon, nämlich am 25. November 2017, das fühlte sich wie ein Sieg an. Zur Halbzeit lag Schalke mit 4:0 hinten, dann kamen Burgstaller, Harit, Caligiuri und Naldo. 4:4! Wenn ich an das Spiel denke, dann bekomme ich immer noch Gänsepelle. Das war mit Abstand das beste Derby, was ich je erleben durfte.

Viele Geschichten, viele Emotionen

Jetzt könnte ich sicherlich über fast alle Derbys ganz viele Geschichten und Emotionen aufschreiben. Passend zum kommenden 100. Bundesliga-Derby, fällt mir aber ein Spiel ein, was unter ganz ähnlichen Voraussetzungen stattgefunden hat. Der BVB spielte um die Meisterschaft und stand nur einen Punkt hinter den Bayern. Schalke stand am 30. Spieltag auf Platz 15, Stuttgart im Rücken. Die Verhältnisse waren eigentlich geklärt. Denkste! Die abstiegsbedrohten Knappen siegen in einem denkwürdigen Spiel mit 4:2 im Signal-Iduna-Park und fügen der Borussia im Titelkampf einen heftigen Rückschlag zu. So war es dann auch, Bayern wurde am Ende der Saison Meister, Schalke blieb drin.

Glückauf: es genau so kommen Heute könnte

Kommen wir zurück zur Fußballromantik. Heute könnte es genau so kommen. Glückauf!